Wetter | Flensburg
4,6 °C

Flensburg: Deutschlands dänischste Stadt

Flensburg im hohen Norden Deutschlands liegt malerisch an der Förde und unmittelbar an der Grenze zu Dänemark. Viele Jahrhunderte gehörte Flensburg zum dänischen Hoheitsgebiet, ab 1864 zu Preußen. Die heutige Grenze besteht seit 1920, aber die Nähe zum Nachbarland ist noch immer zu spüren. In der Stadt gibt es mehrere dänische Schulen, dänische Kulturvereine und eine dänische Tageszeitung.

Flensburg im hohen Norden Deutschlands
Mein Nachmittag - 22.11.2019 16:20 Uhr
Flensburg ist Deutschlands dänischste Stadt mit einem wunderschönen Altstadtkern. NDR Reporter Sven Tietzer reist an die Förde und entdeckt die spannende Geschichte der Stadt.


Da Flensburg im Zweiten Weltkrieg kaum zerstört wurde, finden Besucher in der hübschen Altstadt noch viele Spuren der 700-jährigen Geschichte: enge Gassen, große Plätze und traditionsreiche Kaufmannshöfe sowie Gebäude im Stil der Backsteingotik wie die St. Marien- und die St. Nikolai-Kirche. Zahlreiche Sehenswürdigkeiten lassen sich bei einem Bummel durch die Fußgängerzone zwischen Nordertor und Südermarkt entdecken.

Hafen und Rum brachten Wohlstand

Der Oluf-Samson-Gang an der Förde gehört zu den schönsten Gassen der Stadt.
Die Entwicklung Flensburgs ist wegen der Lage an der Förde eng mit der Seefahrt verknüpft. Im 18. Jahrhundert besaß die Stadt einen der bedeutendsten Handelshäfen für die Schiffe der Westindien-Flotte. Sie brachten Rohrzucker und Roh-Rum von den Karibikinseln in ihre Heimatstadt, wo er zu Zucker und trinkbarem Rum verarbeitet wurde. Damit wurde Flensburg zu einem der wichtigsten Standorte der Zuckerproduktion im dänischen Gesamtstaat und zur Rum-Stadt mit mehr als 200 Firmen aus dieser Branche.

Dem Rum auf der Spur
Heute ist die Tradition des Destillierens fast nur noch Geschichte, aber die Stadt kann mit dem einzigen Rum-Museum Deutschlands sowie einer Rum- und Zucker-Meile aufwarten. Sie führt zu 20 Stationen quer durch die Altstadt und dokumentiert mit Hinweisschildern und einem kostenlosen Faltblatt die Bedeutung des Rums für Flensburg in den vergangenen 250 Jahren.

Oldtimer bestaunen bei der Rum-Regatta

Zur Rum-Regatta treffen sich Segel-Oldtimer in Flensburg.
Erinnerungen an alte Zeiten bietet auch die Rum-Regatta, die seit 1980 jedes Jahr am Wochenende nach Himmelfahrt stattfindet. Das größte Treffen historischer Gaffelsegler in Nordeuropa ist allerdings keine Regatta im Sinn eines Wettkampfs, sondern eine gemütliche Geschwaderfahrt inklusive eines Hafenfestes. Um den Ehrgeiz der Segler zu bremsen, gibt es nur für den Zweitplatzierten einen Gewinn - eine Drei-Liter-Flasche Rum. Alle anderen werden mit "Schrottpreisen" bedacht.

Maritime Entdeckertour

Maritimes Flair vor prächtiger Kulisse: der Salondampfer "Alexandra" lädt zu Ausflugsfahrten ein.
Der Hafen, der an die Altstadt grenzt, ist noch immer ein wichtiger und zentraler Ort. Von hier haben Besucher einen schönen Blick auf die Stadt, können mit Ausflugsschiffen zu Fahrten auf der Förde oder nach Dänemark starten oder bei einem Spaziergang die maritime Atmosphäre spüren. Nicht verpassen sollte man den Historischen Hafen mit klassischen Segeljachten und alten Kuttern. Eine Besonderheit ist der restaurierte Salondampfer "Alexandra". Direkt am Museumshafen befinden sich in einem ehemaligen Zollspeicher ein Schiffahrtsmuseum und das Rum-Museum mit einer Multimedia-Installation zur Geschichte des Rum-Handels.

Flensburgs stadtnahe Marinas und Strände

Der Strand Solitüde lockt mit hellem Sand und klarem Wasser.
Am östlichen Fördeufer liegt der Stadtteil Mürwik. Auf einem ehemaligen Marinegelände ist das Hafenviertel Sonwik entstanden. Denkmalgeschützte Marinegebäude wurden zu Apartmenthäusern umgebaut. Direkt davor entstand die moderne Marina Sonwik. Auch im Gastsegler-Hafen nahe der Hafenspitze sowie im Yachthafen Wassersleben an der dänischen Grenze sorgen Segler und andere Wassersportler für reges maritimes Leben.

Zwar ist Flensburg kein klassischer Badeort, doch stadtnahe Strände locken bei gutem Wetter zahlreiche Bewohner an die Förde. Etwas nördlich von Mürwik befindet sich der schöne Strand Solitüde. Auf der gegenüberliegenden Fördeseite besuchen Sonnenhungrige die Badestelle Ostseebad, die am Stadtrand in Richtung Wassersleben liegt. 

Blick von der "Blumenvase"

Baum oder Blumenvase? Wasserspeicher im Stadtteil Mürwik.
Eine weitere - allerdings unbekanntere - Sehenswürdigkeit in Mürwik ist der Wasserturm. Der Bau von 1960 steht im Volkspark und ist einer von zwei modernen Wassertürmen in Schleswig-Holstein. Der Architekt Trautwein wollte mit seinem Entwurf die Form der Baumkronen nachzeichnen. 18 Betonbögen stützen den Speicher, der bis zu 1,5 Millionen Liter Wasser fasst. Die knapp 100.000 Einwohner Flensburgs nennen ihren Wasserturm liebevoll "Blumenvase". Von Mai bis Ende September können Besucher nicht nur das beeindruckende Innenleben besichtigen, sondern von der Aussichtsplattform auch einen tollen Blick über die Fördestadt bis nach Dänemark genießen.

Kunst auf dem Museumsberg
MUSEUM

Flensburg: Ein Berg für Kunst und Kultur
Der Museumsberg in Flensburg zeigt ein breites Spektrum der regionalen Kunst und Kultur. mehr
Für Kunstinteressierte lohnt sich ein Besuch auf dem Museumsberg in der Altstadt. Ein städtisches Museum bietet dort einen Einblick in die Kunst- und Kulturgeschichte des ehemaligen Herzogtums Schleswig vom 13. bis zum 20. Jahrhundert. Schwerpunkt der Ausstellung ist die Möbelsammlung des Flensburger Möbelfabrikanten und Museumsdirektors Heinrich Sauermann (1842-1904). Sie umfasst über 900 Stücke und reicht vom mittelalterlichen Schrank bis zur klassizistischen Wohnkultur. In einem zweiten historischen Gebäude sind Kunstwerke vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart aus Schleswig-Holstein zu sehen.

Ein Altstadtbummel durch Flensburg

Der Südermarkt ist einer der zentralen Plätze Flensburgs und ein guter Ausgangspunkt für einen Bummel durch die Altstadt. Zweimal pro Woche findet hier der Wochenmarkt statt, der als der älteste Schleswig-Holsteins gilt.

Am Südermarkt ragt die St. Nikolai-Kirche auf. Mit dem Bau des imposanten gelben Backsteingebäudes wurde um 1390 begonnen. Ein Besuch im Inneren lohnt sich: Die größte und wichtigste Kirche Flensburgs beherbergt alte Grabsteine- und Platten, Gemälde, ein bronzenes Taufbecken, einen Rokoko-Altar und eine prachtvolle Orgel. Aus dem 1877 im neugotischen Stil erneuerten Turm erklingt fünfmal täglich ein Glockenspiel.

Etwas oberhalb des Südermarkts liegt Flensburgs älteste Straße, die einen kleinen Abstecher wert ist: die Rote Straße. Traditionell waren hier die Handwerker ansässig. Heute lohnt ein Besuch wegen der hübsch renovierten Hinterhöfe, ...

... in denen eine bunte Mischung aus Geschäften, Gaststätten und Kunsthandwerk zu einem Bummel einlädt.

Vom Südermarkt führt eine zentrale Fußgängerstraße, der Holm, durch die Altstadt. An der Kreuzung zur Rathausstraße ändert der Holm seinen Namen in Große Straße und mündet in den Nordermarkt. Flensburgs ältester Platz ist von schönen historischen Giebelhäusern gesäumt.

Direkt hinter dem Nordermarkt liegt die Kirche St. Marien. Die dreischiffige gotische Hallenkirche stammt aus dem 13. Jahrhundert. Sie ist eines von mehreren Beispielen für Bauwerke im Stil der Backsteingotik in Deutschlands nördlichster Stadt.

In Verlängerung der Großen Straße führt nun die Norderstraße direkt zum Nordertor. Von der Fußgängerstraße zweigen mehrere enge Gassen ab. Die bekannteste und wohl schönste ist der Oluf-Samson-Gang, der auf halber Strecke zwischen Nordermarkt und Nordertor liegt. Entlang von liebevoll restaurierten Fachwerkhäusern führt der Weg hinunter zum Hafen.

Geht man weiter auf der Norderstraße, erreicht man das Nordertor. Das Wahrzeichen der Stadt wurde 1595 errichtet. Bis 1795 bildete es die nördliche Begrenzung Flensburgs. Direkt an das alte Tor grenzt das Wissenschaftsmuseum "Phänomenta" mit seiner modernen Glasfassade. Es zeigt an knapp 200 Experimentierstationen, wie Naturgesetze und Technik wirken und funktionieren.

An dieser Stelle haben Besucher zwei Möglichkeiten: Entweder gehen sie nun vom Nordertor direkt hinunter Richtung Hafen oder sie schlendern auf der Norderstraße ein Stück zurück und biegen beispielsweise in den Kaufmannshof. Diese Gasse führt direkt zum historischen Hafen. Im alten Zollpackhaus befindet sich heute das Schifffahrtsmuseum. Es zeigt zahlreiche interessante Exponate wie alte Seekarten, Navigationsgeräte oder Schiffsmodelle.

Gegenüber dem Museum liegt der Museumshafen. Klassische Segelyachten, Kutter und Fischerboote geben einen Einblick in die Geschichte der Seefahrt. Gleich daneben befindet sich die Museumswerft. Besucher können hier zusehen, wie alte Schiffe in traditioneller Weise gebaut und restauriert werden.

Kohle statt Segel: Bummelt man weiter entlang der Hafenmeile in Richtung Hafenspitze, gelangt man zur "Alexandra". Der Salondampfer diente bis 1975 als Fährschiff. Heute legt er nur noch für Ausflugsfahrten über die Flensburger Förde ab. Die "Alexandra" ist über 100 Jahre alt und der einzige noch seegehende Salondampfer in Deutschland.

Bei schönem Wetter sind zudem viele Segler auf dem Wasser, denn die Förde gilt als ausgezeichnetes Segelrevier.

Rund ums Hafenbecken finden regelmäßig Märkte und Feste statt. Außerdem legen hier Ausflugsschiffe zur Rundfahrten ab. Von der Hafenspitze gelangt man über die Rathausstraße wieder auf den Holm und zurück zum Ausgangspunkt am Südermarkt.
 

Die "Rote Straße" Flensburgs
Die historische Gasse "Rote Straße" mit dem Kruse-, Blumen-, Sonnenhof und Roter Hof, ist "das Schmuckkästchen von Flensburg". Zu Besuch in der Süßwaren-Werkstatt und der Weinstube. Video (04:08 min)

 
Die gerichtshistorische Sammlung in Flensburg
Nach fünf Jahren Sanierung wurde die gerichtshistorische Sammlung der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht. Zentrales Thema der Sammlung ist der Arbeitsalltag der Justiz. Video (02:42 min)


Erotisch-historische Hafentour durch Flensburg
Anja-Garnet Krausert führt die Gäste der erotisch-historischen Hafentour in Flensburg zum Beispiel durch die alte Dirnenstraße, in der noch bis 2015 Damen ihre Dienste angeboten haben. Video (03:19 min)

Flensburger Museum zeigt die Welt der Schiffe
Schon seit Jahrhunderten fahren Schiffe von Flensburg aus in die weite Welt. Wie wurden sie gebaut? Wie funktionierte der Handel mit Rum? Das Schifffahrtsmuseum zeigt es. 

Kupfermühle: Industriegeschichte zum Staunen
Alte Dampfmaschinen, Schmieden und Kessel wie aus Uromas Küche: Fast 400 Jahre wurde bei Flensburg Metall verarbeitet. Das Industriemuseum Kupfermühle blickt auf diese Zeit zurück. 

Von der dänischen Siedlung zur Grenzstadt
1284 verleiht der dänische König der Siedlung das Stadtrecht. Im Mittelalter wird Flensburg eine bedeutende Handelsmetropole, heute steht die Grenzstadt für das vereinte Europa. 


FLENSBURGER UNTERNEHMEN


Das flenst: Bier von der Förde
Seit 1888 produziert die Flensburger Brauerei Bier. Markenzeichen und Erfolgsgarant der Privatbrauerei sind die Flaschen mit Bügelverschluss, der beim Öffnen "ploppt". mehr

Robbe & Berking: Silberschmiede von Weltruf
Edles Silberbesteck, von Hand gefertigt. Darin ist die Flensburger Manufaktur Robbe & Berking Weltmarktführer. Alles begann 1874 ganz klein - mit einer einfachen Werkstatt. mehr

QUELLE: NDR

Teile diesen Artikel: