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Bachblyten Festival 05.08.16 – 08.08.16 TEIL 1

Bachblyten Festival 05.08.16 – 08.08.16 TEIL 1

Bachblyten Festival 05.08.16 – 08.08.16 - TEIL 1 (DIE ANREISE)

 

Die Anreise

 

Um zehn vor eins am Nachmittag lade ich mein Gepäck in den Kofferraum des Taxis, was mich gleich zum Busbahnhof bringen wird. Ich bin heilfroh, dass mich dort ein Gepäckroller erwarten wird. Beladen mit einem Zelt, einer Isomatte, einem Schlafsack, sowie einem vollgepackten Rucksack und einer völlig unhandlichen Reisetasche, mache ich mich auf dem Weg. Als ich aussteige und auf meine Mitreisenden warte, finde ich mein Gepäck selbst etwas überzogen. Ohne sexistisch klingen zu wollen; aber wir Frauen haben da manchmal schon unsere Macken. Wie viele Dinge uns einfallen die wir ganz eventuell vielleicht (wer weiß?) gebrauchen könnten. Allein die Sicherheit sie mit uns zu führen, lässt ein wohliges Gefühl in unserem Bauchraum zu. Ich habe wirklich mein komplettes Makeup-Arial mitgenommen. Und werde es an diesem Wochenende nicht einmal gebraucht haben. Während ich fast eine halbe Stunde warte, telefoniere ich eine gefühlte Ewigkeit mit der Kundenhotline einer Buslinie. Bedingt durch eine Baustelle wird die Anreise komplizierter als gedacht. Nichts was mich aus der Bahn werfen würde; unser Ziel würden wir schon früher oder später erreichen.

 

Zusammen mit einigen anderen Festivalbesuchern steigen wir, unter dem Gejammer des Busfahrers, in die 1044 um 13:25 Uhr. Die Mitfahrt scheint nur noch möglich zu sein, wenn man die 8,40€ passend dabei hat. Das Wechselgeld ist ausgegangen. Genervt krame ich in meinem Portmonee herum und habe das große Glück, ja den wirklichen Segen, passend bezahlen zu können. Nochmal Schwein gehabt. Wir fahren etwas über eine Stunde und benutzen unsere Taschen als Sitzmöglichkeiten. Mehrmals dröhnt es durch das Mikrofon, dass es nur zwei Wege geben würde um auf das Festivalgelände zu kommen. Entweder der Ausstieg in der Flensburger Chaussee, um sich von dort aus ein Taxi zu rufen oder alternativ bis zum Busbahnhof Husum, um von dort nach Schwesing weiterzufahren. Es beschließen alle, außer wir, die erste Möglichkeit in Betracht zu ziehen. Wir stürzen uns lieber in ein ungewisses Abenteuer.

 

Wir fahren etwas über eine Stunde, bis wir endlich in Husum ankommen. Während wir etwas von unserem Proviant zu uns nehmen, setzt sich eine junge Frau zu uns. Sie ist extra aus Greifswald angereist und trifft ihre Freundin später auf dem Festivalgelände. Man kommt ins Gespräch und beschließt gemeinsame Sympathiepunkte gefunden zu haben. E schließt sich uns an und zusammen geht es zur Bushaltestelle Schwesing Ost. Die Fahrt ins Nirgendwo dauert nicht lange. Laut Handy sind es von dort aus noch 2,7 Kilometer – in Wahrheit mindestens 3,5. Vollgepackt machen wir uns zu viert auf den Weg und geraten mitten in eine riesige Polizeikontrolle. Ich zähle sieben Einsatzfahrzeuge. Die Beamten ziehen ein Auto nach dem anderen aus dem Verkehr und lassen sogar Spürhunde an die Sachen der Besucher schnüffeln. Selbst Leute die mit Taxen gefahren sind, werden aus den Autos herausgeholt. Neben uns hält ein älterer Mann. Der Weg wäre noch lang und ob wir das schaffen würden. Ob er uns mitnehmen würde, fragen wir. Er überlegt und fragt, ob es bei den Kontrollen Probleme mit uns geben würde. Wir verneinen. Dann fällt ihm plötzlich ein, dass er nur drei Sitzplätze hat. Aus Solidarität lehnen wir ab. Wir bleiben von den Kontrollen verschont und legen den Fußmarsch in der Mittagssonne zurück. Wir sind so dankbar, als wir endlich an der Kasse ankommen sind und unsere Bändchen erhalten. Was wir nicht wissen: Das Ziel ist noch lange nicht in greifbarer Nähe.

 

Die Meisten sind mit dem Auto angereist. Trotzdem hat niemand Mitleid für uns übrig und möchte uns zu dem Campingplatz mitnehmen. Nach einer gefühlten Ewigkeit fangen die ersten Dixies auf der rechten und die Zelte auf der linken Seite an. Die vier virtuellen Abschnitte des Platzes besagen eigentlich, dass der Letzte nicht als Stellplatz für Karosserien benutzt werden darf. Eigentlich. Scheint nur niemanden zu kümmern. Schilder von Besuchern, die rechts auf dem Zaun platziert sind, springen mir ins Gesicht. Eine Woche Keta, nur 50 Euro. Der war nicht schlecht. Urologen treffen sich in Darmstadt. Egal; weiter. Das Publikum ist überwiegend jung, nicht sonderlich auffällig gekleidet. Die Antifa ist auch da, ich zähle beim Vorbeischauen mindestens zwei Camps. Wir lassen uns kurz vor dem Festivaleingang am Zaun nieder und bauen unsere Zelte auf. Unsere Nachbarn scheinen sehr fürsorgliche Menschen zu sein. Mit ihrer Musik unterhalten sie den kompletten Campingplatz. Immer wieder dröhnt es Abfahrt!, was in diesem Fall wohl so viel bedeutet wie: Los geht’s! oder Ich möchte unbedingt jedem zeigen was für ein geiler Partyhengst ich bin! Das klingt jetzt wahrscheinlich verbittert, aber dieses Wort war jedes Zweite was von nebenan dröhnte. Immer; Tag und Nacht. Das Andere war: Trink! Wir konnten uns gar nicht entscheiden was wir besser fanden.

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